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Mineralfutter für Pferde: sinnvoll oder überflüssig?

Mineralfutter für Pferde: sinnvoll oder überflüssig?

von Ahrens Reitsport
Futter Mineralfutter Fütterung

Reicht gutes Heu, oder braucht mein Pferd Mineralfutter? Wir erklären, welche Spurenelemente oft fehlen, warum zu viel schadet und wie Sie das passende Produkt finden.

Im Futterregal stehen Dutzende Eimer mit Mineralfutter, Pellets, Pulver und Lecksteine. Viele Pferdebesitzerinnen fragen sich, ob ihr Pferd das alles wirklich braucht oder ob gutes Heu nicht ausreicht. Die ehrliche Antwort lautet: Es kommt auf das Grundfutter an. In diesem Beitrag erklären wir, wann Mineralfutter sinnvoll ist, welche Stoffe häufig fehlen und warum mehr nicht automatisch besser ist.

Reicht gutes Heu nicht aus, um mein Pferd mit Mineralien zu versorgen?

Gutes Heu deckt einen großen Teil des Bedarfs an Mengenelementen, bei einigen Spurenelementen bleibt aber häufig eine Lücke. Die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) schreibt, dass ein Pferd im Erhaltungsbedarf grundsätzlich von gutem Heu in ausreichender Menge leben kann. Sie weist aber auch darauf hin, dass die Böden heute nicht mehr so nährstoffreich sind wie früher und Pferde ihren Bedarf kaum noch durch gezieltes Fressen von Kräutern decken können.

Wie viele Mineralstoffe im Heu stecken, hängt laut der Landwirtschaftskammer Vorarlberg von Bodenart, Düngung, Pflanzenbestand und Schnittzeitpunkt ab. Je häufiger eine Wiese geschnitten wird, desto weniger Spurenelemente enthält der Aufwuchs. Zwei Heupartien können deshalb sehr unterschiedlich zusammengesetzt sein.

Welche Mineralstoffe fehlen Pferden am häufigsten?

Besonders oft reicht die Versorgung mit Selen, Kupfer und Zink über das Grundfutter allein nicht aus. Eine an der Veterinärmedizinischen Universität Wien entstandene Arbeit hält fest, dass der Bedarf an Kupfer und Selen in herkömmlichen Rationen oft nicht gedeckt ist und der Selengehalt im Grundfutter eher unter dem Bedarf liegt. In der Zeitschrift Reiter Revue heißt es, die Böden in Deutschland seien sehr arm an Selen. Dabei schwankt der Gehalt selbst innerhalb einer Region stark.

Zu den lebensnotwendigen Spurenelementen zählt die FN neben Selen, Kupfer und Zink auch Jod, Eisen, Kobalt und Mangan. Bei den Mengenelementen ist das Verhältnis von Calcium zu Phosphor wichtig. Die FN nennt als Ziel zwei Teile Calcium auf einen Teil Phosphor.

Braucht mein Pferd im Winter zusätzlich Vitamin E?

Bei Stallpferden, die überwiegend Heu fressen, ist das häufig der Fall. Durch Schneiden, Trocknen und Lagern enthält Heu deutlich weniger Vitamin E als frisches Gras, und der Gehalt sinkt mit der Lagerdauer weiter. Pferde auf guter Weide sind dagegen meist besser versorgt. Wer Öl füttert, sollte laut dem Futterhersteller Iwest zusätzlich an etwas mehr Vitamin E denken.

Kann ich mein Pferd mit Mineralfutter auch überversorgen?

Ja, und das kommt häufiger vor als gedacht. Die FN warnt, dass eine Überversorgung mit Spurenelementen sogar tödliche Folgen haben kann. Beim Selen ist der Abstand zwischen sinnvoller Menge und schädlicher Dosis klein. Die Fütterungsexpertin Prof. Ellen Kienzle von der LMU München betont in der Reiter Revue, dass es keinem Pferd Vorteile bringt, die Empfehlungen zur Selenversorgung zu überschreiten. Zu hohe Mengen können zu Lahmheit, Haarausfall an Mähne und Schweif und Veränderungen am Hufhorn führen.

Die häufigste Ursache ist die doppelte Versorgung. Viele Pferde bekommen ein bereits mineralisiertes Kraft- oder Müslifutter und zusätzlich ein Mineralfutter. Die Wiener Arbeit zitiert eine Untersuchung, nach der ein Großteil der untersuchten Pferde mit Kupfer und ein Teil mit Selen überversorgt war. Außerdem kann ein Zuviel eines Stoffes die Aufnahme anderer Mineralstoffe hemmen. Ein Blick auf die Deklaration aller Futtermittel lohnt sich deshalb immer.

Mineralfutter, Leckstein oder Salzleckstein: Was ist der Unterschied?

Mineralfutter wird abgemessen gefüttert und lässt sich genau dosieren, ein Leckstein dagegen nicht. Die FN empfiehlt für ein normal arbeitendes Pferd in der Regel einen frei zugänglichen Salzleckstein, um den Bedarf an Natrium und Chlorid zu decken. Ein Mineralleckstein kann auf der Weide eine Ergänzung sein. Weil sich aber kaum kontrollieren lässt, wie viel ein Pferd daran aufnimmt, ist ein dosierbares Mineralfutter für die Versorgung mit Spurenelementen die bessere Wahl.

Pferde, die stark schwitzen, verlieren mit dem Schweiß viele Elektrolyte. Bei intensivem Training oder auf dem Turnier können Elektrolyte deshalb sinnvoll sein. Mit zusätzlichem Salz im Futter sollten Sie dagegen zurückhaltend sein, denn Fachleute warnen bei größeren Mengen vor Nebenwirkungen. Bei Pferden mit Hufrehe gilt Zusatzsalz als ungeeignet.

Woran erkenne ich, welches Mineralfutter zu meinem Pferd passt?

Das passende Mineralfutter richtet sich nach dem Grundfutter, denn es soll genau das ergänzen, was im Heu fehlt. Am zuverlässigsten gelingt das mit einer Analyse des Heus. Die Landwirtschaftskammer Vorarlberg bezeichnet regelmäßige Grundfutteranalysen als unbedingt erforderlich für eine gute Rationsplanung. Tabellenwerte geben die Wirklichkeit dagegen nur selten genau wieder.

Ohne Analyse helfen einige Kriterien bei der Auswahl:

  • Zusammensetzung: Achten Sie auf Selen, Zink und Kupfer und auf ein sinnvolles Verhältnis von Calcium zu Phosphor.
  • Restliche Ration: Prüfen Sie, ob Kraftfutter oder Müsli bereits Mineralstoffe enthält.
  • Stoffwechsel: Für stoffwechselempfindliche Pferde empfehlen Fachleute melassefreie Produkte.
  • Rohasche: Ein echtes Mineralfutter muss laut einer in Cavallo zitierten Tierärztin mindestens 40 Prozent Rohasche enthalten.
  • Form: Ob Pulver, Pellets oder Briketts, ist laut FN zweitrangig. Hauptsache, das Pferd frisst es.

Wie dosiere ich Mineralfutter richtig?

Dosieren Sie Mineralfutter nach Herstellerangabe und nach dem Körpergewicht Ihres Pferdes. Viele Hersteller geben die Tagesmenge in Gramm je 100 kg Körpergewicht an. Kennen Sie das Gewicht Ihres Pferdes nur grob, fragen Sie bei der nächsten Untersuchung Ihre Tierärztin oder Ihren Tierarzt nach einer Einschätzung. Eine Messkelle oder Küchenwaage verhindert, dass aus Gewohnheit zu viel im Trog landet.

Füttern Sie hochkonzentrierte Einzelpräparate, etwa mit Selen, nicht auf Verdacht. Ob ein Mangel vorliegt, kann nur eine gezielte Blutuntersuchung zeigen, denn das übliche Blutbild sagt über Selen nichts aus. Bei Verdacht auf Mangel, bei Vorerkrankungen oder bei Stoffwechselproblemen wie EMS ist die Tierärztin oder der Tierarzt die richtige Ansprechperson.

Bei Ahrens Reitsport finden Sie verschiedene Mineralfutter und weitere Futtermittel. Wenn Sie unsicher sind, welches Produkt zu Ihrem Heu und Ihrem Pferd passt, nutzen Sie unsere Futter- und Pflegeberatung im Laden in Tangstedt. Bestellungen über 20 kg holen Sie an unserer Abholstation am Laden ab, denn solche Pakete versenden wir nicht.