
Schabracke oder Satteldecke: Unterschied, Formen und Passform
Schabracke und Satteldecke unterscheiden sich vor allem im Schnitt. Wir erklären die Kürzel DR, VS und SP, die Materialien und worauf es beim Auflegen ankommt.
Unter jeden Sattel gehört eine Unterlage. Sie hält Schweiß und Schmutz vom Leder fern und sorgt dafür, dass der Sattel nicht direkt auf dem Fell reibt. Im Stall hört man dafür zwei Begriffe: Schabracke und Satteldecke. Dazu kommen Kürzel wie DR, VSS oder SP auf dem Etikett. In diesem Beitrag sortieren wir die Begriffe, erklären die Formen und zeigen, woran Sie eine gut liegende Unterlage erkennen.
Was ist der Unterschied zwischen Schabracke und Satteldecke?
Der Unterschied liegt in erster Linie im Schnitt: Die Schabracke ist eckig und größer, die Satteldecke folgt der Kontur des Sattels. Eine Schabracke schaut deshalb deutlich sichtbar unter dem Sattel hervor und reicht hinten weit über das Sattelblatt hinaus. Sie deckt damit mehr Fläche am Pferderücken ab.
Die Satteldecke ist dagegen sattelförmig zugeschnitten und kaum zu sehen, wenn der Sattel liegt. Viele Reiterinnen schätzen sie für einen schlichten Look oder wählen sie bei Lammfellunterlagen, die ebenfalls oft der Sattelform folgen. Eine Sonderform ist die Barockschabracke mit spitz zulaufender Ecke. In der Funktion unterscheiden sich Schabracke und Satteldecke kaum, beide sollen den Sattel schützen und Feuchtigkeit aufnehmen.
Wozu braucht mein Pferd überhaupt eine Sattelunterlage?
Eine Sattelunterlage saugt Schweiß auf, schützt den Sattel vor Schmutz und Abnutzung und mindert Reibung zwischen Sattel und Fell. Gleichzeitig hilft sie, das Gewicht des Sattels gleichmäßiger zu verteilen und Scheuerstellen vorzubeugen. Ein Sattel ohne Unterlage würde schneller verschmutzen, und das Leder müsste deutlich häufiger gereinigt werden.
Wichtig ist eine Erwartung, die man nicht an die Unterlage stellen sollte: Sie macht aus einem unpassenden Sattel keinen passenden. Laut einem Bericht der Zeitschrift Cavallo hat die Veterinärmedizinische Universität Wien gemessen, dass gewöhnliche Schabracken die Passform eines Sattels nicht verändern. Drückt ein Sattel, ist die Sattlerin oder der Sattler gefragt, nicht eine dickere Unterlage.
Was bedeuten DR, VS, SP und die anderen Kürzel?
Die Kürzel geben an, zu welcher Sattelart die Unterlage passt: DR oder D steht für Dressur, VS, VSS oder VSD für Vielseitigkeit und SP, SR oder S für Springen. Der Grund: Die Unterlage muss zur Form des Sattels und seiner Sattelblätter passen, damit sie überall unter dem Sattel liegt und nirgends zu kurz ist. Eine Dressurschabracke unter einem Springsattel oder umgekehrt passt deshalb meist nicht sauber. Für Dressur, Springen und Vielseitigkeit gibt es jeweils eigene Schnitte.
Welche Größe brauche ich: Pony, Cob oder Full?
Neben der Sattelart gibt es Größenangaben für die Pferdestatur. Üblich sind Pony (P), Cob für zierlichere Pferde und Full oder WB (Warmblut) für Großpferde. Manche Hersteller führen zusätzlich Kaltblut-Größen (KB). Entscheidend ist am Ende aber die Länge Ihres Sattels, nicht nur die Größe des Pferdes. Eine Sattlerempfehlung lautet, dass die Unterlage mindestens etwa 6 cm über die Sattellänge hinausreichen sollte.
Und was liegt unter einem Westernsattel?
Unter dem Westernsattel liegt ein gepolstertes Westernpad, oft aus Filz, Wolle oder Neopren. Weil der Westernsattel selbst keine Polsterung hat, übernimmt das Pad diese Aufgabe. Ein dekoratives Blanket ist ungepolstert und wird nur zusätzlich genutzt.
Welches Material ist für eine Schabracke am besten?
Gut ist ein Material, das Schweiß zuverlässig aufnimmt, Luft durchlässt und sich leicht pflegen lässt, und meistens ist das eine Mischung aus Baumwolle und Polyester. Reine Baumwolle ist dünn und saugstark. Synthetik ist pflegeleicht, aber weniger atmungsaktiv als Naturfasern. Lammfell gleicht die Temperatur gut aus, verlangt aber mehr Aufwand bei der Pflege.
Im Inneren steckt bei vielen Modellen eine Wattierung oder eine dünne Schaumlage, die den Druck verteilen soll. Die Steppung ist mehr als Optik: Manche Hersteller setzen auf Muster, die kleine Luftkanäle bilden. Rutschhemmende Elemente auf der Unterseite können verhindern, dass die Unterlage wandert.
- Baumwolle: saugfähig, leicht, ideal für den Alltag.
- Polyester und Mischgewebe: robust, formstabil, schnell trocken.
- Lammfell oder Teddyfleece: weich und ausgleichend, mehr Pflegeaufwand.
Wie dick darf eine Sattelunterlage sein?
Für die reine Schutzfunktion reicht eine eher dünne Unterlage, als Richtwert werden 0,5 bis 1,5 cm genannt. Dickere Pads klingen nach mehr Komfort, können aber die Kammer am Widerrist enger machen. Ein Sattel, der ohne Unterlage passt, sitzt mit einem dicken Pad unter Umständen zu eng. Sattler raten deshalb meist zu möglichst dünnen Unterlagen.
Hilfreich ist ein anatomischer Schnitt mit einem leichten Schwung im Bereich des Widerrists. So liegt die Unterlage dort nicht stramm auf, wo die Wirbelfortsätze empfindlich sind.
Wie lege ich die Schabracke richtig unter den Sattel?
Ziehen Sie die Unterlage nach dem Auflegen des Sattels in die Kammer hoch, also in den Wirbelkanal des Sattels. Dieses Einkammern ist der wichtigste Schritt. Liegt die Unterlage stramm über dem Widerrist, drückt sie dort, und zwar auch dann, wenn sie anatomisch geformt ist.
Danach kontrollieren Sie drei Dinge:
- Die Unterlage liegt faltenfrei unter dem ganzen Sattel, auch nach dem Nachgurten.
- Der Sattel liegt nicht hinten auf dem Rand oder der Naht der Unterlage. Das würde Druckspitzen erzeugen.
- Die Unterlage ist nicht zu groß. Zu viel Stoff wirft Falten und kann die Sattellage verändern.
Wie wasche ich Schabracken, ohne sie zu beschädigen?
Die meisten Schabracken vertragen einen Schonwaschgang bei 30 °C mit Feinwaschmittel, anschließend trocknen sie an der Luft. Bürsten Sie Haare und Schmutz vorher gründlich ab oder nutzen Sie einen Wäschesack, damit die Waschmaschine sauber bleibt. Verzichten Sie auf Weichspüler und den Wäschetrockner. Ziehen Sie die Unterlage nach dem Waschen in Form. Lammfell gehört in der Regel in die Handwäsche. Maßgeblich ist immer das Pflegeetikett des Herstellers.
Ein Tipp aus dem Stallalltag: Wer zwei oder drei Unterlagen im Wechsel nutzt, kann jede nach dem Reiten vollständig trocknen lassen und muss seltener waschen.
Muss die Schabracke auf dem Turnier weiß sein?
In der Dressur sind weiße Schabracken auf Turnieren üblich und gehören dort zum klassischen Bild. Ursprünglich wurden sie genutzt, um die Startnummer zu befestigen. Ob für Ihre Prüfung bestimmte Vorgaben gelten, entnehmen Sie der jeweiligen Ausschreibung.
Bei Ahrens Reitsport finden Sie eine große Auswahl an Schabracken und weiteren Sattelunterlagen für Dressur, Springen und Vielseitigkeit. Im Laden in Tangstedt beraten wir Sie gern zu Form und Größe, und wer seine Schabracke mit Namen oder Vereinslogo möchte, kann sie über unseren Service für Bestickung veredeln lassen, auch als Team-Bestellung.
