
Abschwitzdecke richtig nutzen: wann, wie lange und welche?
Nach dem Training im Herbst und Winter hilft eine Abschwitzdecke, das Pferd trocken zu bekommen, ohne dass es auskühlt. So setzen Sie sie richtig ein.
Sobald es draußen kühler wird, stellt sich nach jeder Reitstunde dieselbe Frage: Wie bekomme ich mein verschwitztes Pferd trocken, ohne dass es friert? Die Abschwitzdecke ist dafür das klassische Hilfsmittel. Damit sie wirklich hilft, kommt es aber auf das Material, den richtigen Zeitpunkt und vor allem auf die Dauer an. Hier finden Sie die wichtigsten Antworten.
Wofür ist eine Abschwitzdecke eigentlich da?
Eine Abschwitzdecke leitet die Feuchtigkeit aus dem Fell nach außen und verhindert, dass die Haut darunter auskühlt. Ein nasses Fell isoliert schlecht, und Wind oder Zugluft entziehen dem Körper dann schnell Wärme. Die Universitätsklinik für Pferde der Veterinärmedizinischen Universität Wien rät deshalb, um einer Erkältung vorzubeugen, das Pferd nach dem Reiten trocken zu reiten, eine Abschwitzdecke zu verwenden und nasse Decken zu tauschen oder abzunehmen.
Kleine Wassertropfen auf der Außenseite der Decke sind übrigens ein gutes Zeichen. Sie zeigen, dass die Feuchtigkeit vom Pferd weg nach außen wandert, so erklärt es der Deckenhersteller Kentucky Horsewear.
Wann sollte ich meinem Pferd eine Abschwitzdecke auflegen?
Am besten legen Sie die Abschwitzdecke direkt nach dem Reiten auf, gern schon in den letzten Schrittrunden. Besonders sinnvoll ist sie bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und bei Wind, wenn ein verschwitztes Pferd ohne Decke schnell auskühlen würde. Laut Cavallo trocknen Pferde unter diesen Bedingungen unter einer Decke besser.
Auch vor dem Reiten kann die Decke nützlich sein. Lassen Sie sie in der Aufwärmphase im Schritt einfach drauf, dann wird die Muskulatur schneller warm. Bei geschorenen Pferden ist die Abschwitzdecke im Winter besonders wichtig, denn ihnen fehlt an den geschorenen Stellen der natürliche Schutz des Winterfells. Geschorene Sportpferde brauchen im Winter grundsätzlich eine Decke, damit sie nicht unterkühlen.
Ist eine Abschwitzdecke auch für Transport und Turnier geeignet?
Ja, viele Abschwitzdecken lassen sich auch auf dem Turnierplatz oder im Pferdeanhänger nutzen. Kentucky Horsewear nennt seine Fleece-Abschwitzdecke ausdrücklich auch als Turnierdecke, und Modelle mit Mesh-Anteil sind für den Transport gedacht, weil sie Luft zirkulieren lassen. Zwischen zwei Prüfungen hält die Decke das Pferd warm, ohne dass es darunter zu schwitzen beginnt. Achten Sie im Anhänger darauf, dass die Decke gut sitzt und nicht verrutschen kann.
Wie lange bleibt die Abschwitzdecke auf dem Pferd?
Die Abschwitzdecke bleibt so lange auf dem Pferd, bis sich das Fell darunter trocken anfühlt, und wird dann abgenommen. In der Regel ist die Decke in diesem Moment außen spürbar feucht, weil sie die Nässe nach außen transportiert hat. Wie lange das dauert, hängt stark vom Fell ab. Ein Pferd mit dichtem Winterfell braucht deutlich länger als ein geschorenes. Cavallo berichtet, dass ein langhaariges Islandpferd unter einer gewöhnlichen Abschwitzdecke rund zwei Stunden braucht, um halbwegs trocken zu werden.
Darf die Abschwitzdecke über Nacht drauf bleiben?
Nein, eine Abschwitzdecke ist kein Ersatz für eine Stalldecke über Nacht. Hat sie ihre Arbeit getan, ist sie selbst feucht. Bleibt sie zu lange liegen, kann die Feuchtigkeit wieder zurück ins Fell gelangen. Eine Fachfrau im Lehrvideo des Reitsporthändlers Loesdau nennt ein bis eineinhalb Stunden als Richtwert, nach denen umgedeckt werden sollte. Wichtig ist auch: Ein Pferd gehört niemals nass in die Box.
Was mache ich, wenn die Decke durchnässt ist?
Ist die Decke vollgesogen und das Pferd noch feucht, tauschen Sie sie gegen eine trockene aus. Ein bewährter Trick aus der Praxis: eine Schicht Stroh unter die Decke stopfen. Das Luftpolster isoliert und lässt den Schweiß besser verdunsten.
Wie lange sollte ich mein Pferd nach dem Reiten trocken führen?
Planen Sie nach dem Training mindestens 10 bis 20 Minuten Schritt ein, bis die Atmung wieder ruhig ist. Die Abschwitzdecke kann dabei schon aufliegen. Halten Sie nicht abrupt an und übergießen Sie ein erhitztes Pferd im Winter nicht mit kaltem Wasser. Verklebtes Fell lässt sich nach dem Trocknen mit Striegel und Kardätsche aufbürsten.
Für die Zeit vor dem Training empfiehlt die Vetmeduni Wien im Winter mindestens 20 Minuten Schritt, bevor schnellere Gangarten folgen. Eine Nierendecke hält dabei die Muskulatur warm.
Fleece, Wolle oder Baumwolle: Welches Material trocknet am besten?
Fleece ist das verbreitetste Material, weil es sich nicht mit Wasser vollsaugt, sehr atmungsaktiv ist und leicht bleibt. Es besteht meist aus Polyester. Kentucky Horsewear beschreibt Fleece als wärmer, leichter und weicher als Wolle. Daneben gibt es Abschwitzdecken aus Baumwolljersey, Acryl oder Mikrofaser-Frottee. Webpelz ist laut Cavallo weniger geeignet, weil er sich zu stark vollsaugt.
- Fleece: leicht, schnell trocknend, pflegeleicht, der Klassiker für den Alltag.
- Wolle: natürlich wärmend und atmungsaktiv, meist schwerer.
- Funktionsmaterialien und Mesh: leiten Feuchtigkeit gezielt ab und eignen sich auch für Transport und Turnier.
Einige Hersteller verarbeiten Keramikfasern im Innenfutter, die laut Anbieter mit der Körperwärme arbeiten. Solche Decken sind eine Frage der persönlichen Vorliebe. Bei gesundheitlichen Fragen, etwa zu Muskelverspannungen, ist die Tierärztin oder der Tierarzt die richtige Ansprechperson.
Welche Größe braucht die Abschwitzdecke?
Messen Sie die Rückenlänge vom Widerrist bis zur Schweifrübe, dieser Wert in Zentimetern entspricht ungefähr der Deckengröße. Manche Ratgeber empfehlen, etwa 10 cm zuzugeben. Da die Größensysteme der Hersteller voneinander abweichen, lohnt sich ein Blick in die jeweilige Größentabelle. Die Decke sollte Schultern und Kruppe gut bedecken, ohne am Widerrist zu drücken.
Wie wasche ich eine Fleece-Abschwitzdecke?
Waschen Sie Fleecedecken bei 30 bis 40 °C mit Feinwaschmittel und auf keinen Fall mit Weichspüler, anschließend trocknen sie an der Luft. Der Wäschetrockner ist für die meisten Modelle nicht geeignet. Bürsten Sie Haare vorher ab oder nutzen Sie einen Wäschesack. Zwischen den Wäschen genügt es oft, die Decke nach jedem Einsatz zum Trocknen aufzuhängen und getrockneten Schweiß auszubürsten. Maßgeblich sind die Pflegehinweise auf dem Etikett.
Im Onlineshop von Ahrens Reitsport finden Sie Abschwitzdecken in verschiedenen Materialien sowie Nierendecken und Stalldecken für die Zeit danach. Wenn Sie unsicher sind, welche Größe Ihr Pferd braucht, beraten wir Sie gern im Laden in Tangstedt.
