Fragen zu Gamaschen, Bandagen und Hufglocken
Hier beantworten wir die häufigsten Fragen zum Beinschutz fürs Pferd: wann Gamaschen, Bandagen und Hufglocken sinnvoll sind, wie sie richtig sitzen, welche Größe passt und wie Sie sie pflegen. Beinschutz soll vor allem vor Schlägen, Streifverletzungen und Kratzern schützen, eine nennenswerte Stützwirkung für die Sehnen ist nach Fachquellen dagegen kaum belegt. Im Laden in Tangstedt können Sie Gamaschen und Hufglocken am Pferd beraten lassen und anprobieren.
Von Julia Lühr, Ahrens Reitsport in Tangstedt · Stand
Wann braucht ein Pferd Gamaschen?
Gamaschen sind sinnvoll, wenn sich ein Pferd beim Reiten selbst anschlägt oder streift, beim Springen und im Gelände sowie bei Ausritten durch Gestrüpp oder steiniges Gelände. Das Fachmagazin The Horse nennt genau diese Situationen: frühere Streif- oder Greifverletzungen, ein hohes Risiko für Anschlagen an Hindernissen und unwegsames Gelände.
Gamaschen sollen Stöße verteilen und verhindern, dass Haut und Gewebe verletzt werden. Wie gut das gelingt, hängt stark vom Modell ab. Zu eng angelegte Gamaschen schränken die Bewegung ein, ohne mehr Schutz zu bieten. Nehmen Sie die Gamaschen deshalb nach der Arbeit gleich ab und kontrollieren Sie die Beine.
Mehr dazu im Ratgeber: Gamaschen oder Bandagen? Beinschutz fürs Pferd im Vergleich
Quellen (1)
Stützen Gamaschen und Bandagen die Sehnen des Pferdes?
Nur in sehr geringem Maß: Gamaschen und Bandagen schützen vor allem vor Schlägen von außen, eine echte Entlastung der Sehnen ist kaum belegt. In einer Studie der Veterinärmedizinischen Universität Wien (Kicker und Kollegen, Equine Veterinary Journal, 2004) verringerten spezielle Stützgamaschen an 26 Pferden die maximale Durchtrittsbewegung des Fesselgelenks im Trab nur um etwa 0,6 bis 1,4 Grad.
Die Autoren halten eine geringe Entlastung von Sehne und Fesselträger für denkbar, die Langzeitfolgen seien aber unklar. Das Fachmagazin The Horse unterscheidet deshalb klar zwischen Beinschutz für das tägliche Training und therapeutischen Bandagen, die fachkundig angelegt werden. Bei Sehnenproblemen entscheidet deshalb die Tierärztin oder der Tierarzt über Schonung und Bandagen.
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Was ist der Unterschied zwischen Gamaschen und Bandagen?
Gamaschen sind vorgeformte Schalen oder Polster, die mit Klett oder Schnallen in Sekunden angelegt sind, Bandagen sind lange Stoffbinden, die um das Bein gewickelt werden. Gamaschen eignen sich besonders, wenn es auf Schutz vor harten Schlägen ankommt, etwa beim Springen. Fleecebandagen bieten dagegen laut dem tierärztlich geprüften Ratgeber von PetMD nur leichten Schutz beim Reiten.
Bandagen verlangen Übung, denn zu fest oder ungleichmäßig gewickelt können sie die Sehnen schädigen. Gamaschen müssen dafür in der Größe genau passen. Beides erwärmt das Bein bei der Arbeit, deshalb sollte beides nach dem Reiten zügig ab.
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Quellen (3)
Welche Arten von Bandagen gibt es für Pferde?
Für Pferde gibt es vor allem Arbeitsbandagen für das Reiten, Stallbandagen für die Box und Transportbandagen für den Anhänger. Arbeitsbandagen bestehen meist aus Fleece oder aus Fleece mit elastischem Anteil und geben leichten Schutz vor Streifverletzungen. Stallbandagen werden laut PetMD über einer gesteppten Unterlage gewickelt und sollen leicht komprimieren, etwa bei Neigung zu angelaufenen Beinen oder bei der Wundversorgung.
Kentucky Horsewear bietet zum Beispiel Fleecebandagen mit 3,25 m Länge und Stallbandagen mit 4 m Länge an. Stallbandagen sollten Sie nur nach Rücksprache mit Ihrer Tierärztin oder Ihrem Tierarzt einsetzen, die über Dauer und Kontrolle entscheiden.
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Welche Bandagenlänge brauche ich für mein Pferd?
Für ein Großpferd sind Arbeitsbandagen aus Fleece meist rund 3,25 bis 3,5 m lang, für ein Pony etwa 2,8 m. Kentucky Horsewear gibt seine Polarfleece-Bandagen in Warmblutgröße mit 325 cm Länge und 12 cm Breite an, Eskadron nennt für Fleecebandagen 3,5 m in Größe Full und 2,8 m in Größe Pony.
Stallbandagen sind länger, weil sie über einer dicken Unterlage gewickelt werden. Die schmutzabweisenden Stallbandagen von Kentucky messen zum Beispiel 4 m mal 14 cm. Ist eine Bandage zu kurz, reicht sie nicht bis zum Fesselkopf und zurück, ist sie zu lang, wird sie dick und ungleichmäßig.
Wofür braucht man Bandagierunterlagen?
Bandagierunterlagen verteilen den Druck der Bandage gleichmäßig auf das Bein und polstern es. So entstehen weniger Druckstellen, und das Risiko einer sogenannten Bandagensehne sinkt. Darunter versteht man eine Schwellung der Sehne, die laut PetMD entsteht, wenn eine Bandage zu fest oder mit ungleichmäßigem Druck gewickelt wird.
Unter Stallbandagen gehört nach PetMD immer eine gesteppte Polsterung. Für den Transport gibt es Unterlagen mit zusätzlichem Sprunggelenkschutz, Kentucky Horsewear beschreibt solche Modelle mit stoßdämpfendem Material. Wichtig ist, dass die Unterlage faltenfrei anliegt, denn der Zug der Bandage soll überall gleich sein.
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Quellen (2)
Wie wickle ich Bandagen beim Pferd richtig?
Bandagen wickeln Sie faltenfrei über einer Unterlage, mit gleichmäßigem, nicht zu festem Zug und etwa zur Hälfte überlappenden Lagen. PetMD empfiehlt, vorne am Röhrbein zu beginnen und nicht über einem Gelenk. Gewickelt wird am rechten Bein im Uhrzeigersinn und am linken Bein gegen den Uhrzeigersinn.
Eine Bandage, die zu fest oder ungleichmäßig sitzt, kann die Sehne reizen. Arbeitsbandagen nehmen Sie nach dem Reiten sofort wieder ab, damit sich keine Wärme staut. Sitzt eine Bandage locker, ist sie nass oder verrutscht, wickeln Sie sie neu. Für den Anfang eignen sich Fleecebandagen, und das Wickeln lassen Sie sich am besten einmal zeigen.
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Quellen (1)
Darf ein Pferd Bandagen über Nacht tragen?
Ein gesundes Pferd sollte über Nacht keine Bandagen tragen, Stallbandagen gehören nur nach Absprache mit der Tierärztin oder dem Tierarzt ans Bein. PetMD schreibt, dass die Dauer von Stallbandagen von der tierärztlichen Empfehlung für das einzelne Pferd abhängt. Sie sollten mindestens zweimal täglich kontrolliert und neu gewickelt werden, wenn sie locker, nass oder ungleichmäßig sind.
In einer Studie in der Fachzeitschrift Pferdeheilkunde (2019) weisen die Autoren darauf hin, dass fest angelegte Bandagen den Lymphfluss im Bein stören können. Spezielle Kompressionsbandagen ließen den Lymphfluss bei ihren Versuchspferden dagegen weiterlaufen. Bauart und Zug machen also einen großen Unterschied.
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Quellen (2)
Kann man Bandagen waschen?
Ja, die meisten Pferdebandagen dürfen in die Waschmaschine, meist bei 30 °C, maßgeblich ist aber das Pflegeetikett. Kentucky Horsewear gibt für seine Polarfleece-Bandagen und seine schmutzabweisenden Stallbandagen 30 °C an und rät vom Trockner ab. Für die Stallbandagen empfiehlt der Hersteller zusätzlich einen Wäschesack und das Trocknen an der Luft.
Bürsten Sie Haare, Späne und Sand vorher aus, vor allem aus dem Klettverschluss, und schließen Sie den Klett vor dem Waschen. Bandagierunterlagen lassen sich laut Kentucky ebenfalls bei 30 °C waschen.
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Wie lange dürfen Gamaschen und Bandagen nach dem Reiten am Bein bleiben?
Gamaschen und Arbeitsbandagen sollten direkt nach dem Reiten abgenommen werden, weil sie Wärme am Bein stauen. In einer Studie der Middle Tennessee State University (Brock und Spooner, Journal of Equine Veterinary Science, 2021) waren alle sechs getesteten Gamaschen und Bandagen wärmer als das unbedeckte Bein. Unter der Fleecebandage waren Temperatur und Luftfeuchtigkeit am höchsten.
Selbst drei Stunden nach der Arbeit hatten die geschützten Beine ihre Ausgangswerte noch nicht wieder erreicht. Die Autoren folgern, dass ein bedecktes Bein schon bei mittlerer Belastung schädliche Temperaturen erreichen kann. Experten im Fachmagazin The Horse raten, den Beinschutz sofort abzunehmen und die Beine mit kaltem Wasser abzuspritzen.
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Quellen (2)
Was sind Hufglocken?
Hufglocken sind glockenförmige Schützer aus Gummi, Neopren oder Kunststoff, die über den Huf gezogen oder mit Klett geschlossen werden und Kronrand, Ballen und Hufeisen der Vorderhufe schützen. Sie reichen vom Fesselbereich über den Kronrand bis zu den Ballen. Ihr Zweck ist, Verletzungen durch die eigenen Hinterhufe abzufangen, wenn das Pferd vorne in die Ballen tritt.
Es gibt geschlossene Modelle zum Überziehen, die besonders sicher sitzen, und offene mit Klettverschluss, die leichter anzulegen sind. Bei offenen Modellen müssen die Enden vollständig aufeinandertreffen. Manche Modelle sind innen so geformt, dass sie sich am Huf nicht drehen.
Quellen (2)
Wann sind Hufglocken beim Pferd sinnvoll?
Hufglocken sind sinnvoll, wenn ein Pferd mit den Hinterhufen in die Ballen der Vorderhufe tritt oder sich Eisen abtritt. Hinweise darauf sind Schrammen, Prellungen oder Schmutzspuren an Ballen und Fesseln nach dem Reiten. Auch beim Springen, beim Longieren, beim Transport und bei Pferden mit Stollen werden Hufglocken häufig empfohlen.
Der Hersteller Sprenger nennt als Zweck den Schutz vor Ballentritten, Abschürfungen und dem Verlust von Hufeisen. Tritt sich Ihr Pferd häufig an oder verliert es oft Eisen, sprechen Sie zusätzlich mit Ihrer Hufschmiedin oder Ihrem Hufschmied, denn auch Hufbearbeitung und Beschlag spielen dabei eine Rolle.
Quellen (2)
Darf ein Pferd Hufglocken auf der Weide tragen?
Ja, Hufglocken werden auch auf der Weide getragen, vor allem bei Pferden, die sich dort die Eisen abtreten. Der Ratgeber von Dover Saddlery nennt verlorene Eisen beim Weidegang ausdrücklich als Grund für Hufglocken, und Sprenger beschreibt seine Gummi-Hufglocken als robust genug für wilde Momente auf der Weide.
Wichtig ist, dass die Hufglocken gut sitzen und regelmäßig abgenommen werden, damit die Haut darunter trocknen kann. Kontrollieren Sie Fesselbeuge und Ballen auf Scheuerstellen und entfernen Sie Sand und Schmutz aus den Glocken. Zu große Hufglocken können zum Stolpern führen, zu kleine scheuern.
Quellen (2)
Wie müssen Hufglocken richtig sitzen?
Richtig sitzen Hufglocken, wenn der hintere Rand im Stand gerade eben den Boden berührt und zwischen oberem Rand und Fessel ein bis zwei Finger Platz haben. So beschreibt es der Ratgeber von Dover Saddlery. Zu große Hufglocken können zum Stolpern führen, zu kleine verursachen Scheuerstellen.
Die Größen geben Hersteller unterschiedlich an. Sprenger nennt für seine gerippten Gummi-Hufglocken zum Beispiel einen Durchmesser von 75, 80 und 85 mm für die Größen M, L und XL. Prüfen Sie deshalb die Tabelle des jeweiligen Herstellers und probieren Sie die Glocken am besten am Pferd an. Säubern Sie Huf und Fessel vor dem Anlegen.
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Fragen Sie uns: im Laden in Tangstedt, telefonisch unter 04109 / 252173 oder über das Kontaktformular. Persönliche Beratung finden Sie auch unter Beratung.
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