Fragen zur Pferdefütterung
Hier beantworten wir häufige Fragen zur Pferdefütterung: zu Mineralfutter und Zusatzfutter, Leinöl und Leinsamen, Kraftfutter, Müsli und Leckerli. Grundlage jeder Ration ist Raufutter, alles andere ergänzt es nur. Die Antworten stützen sich auf Fachquellen wie die Deutsche Reiterliche Vereinigung, die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft und Herstellerempfehlungen und ersetzen bei Erkrankungen keine tierärztliche Beratung.
Von Julia Lühr, Ahrens Reitsport in Tangstedt · Stand
Welches Futter braucht mein Pferd jeden Tag?
Die Grundlage jeder Pferderation ist Raufutter, also Heu, Heulage oder Gras, und zwar mindestens 1,5 kg Raufutter je 100 kg Körpergewicht am Tag. Bei einem Warmblut mit 600 kg können das laut Deutscher Reiterlicher Vereinigung (FN) bis zu 15 kg Heu täglich sein.
Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) empfiehlt, Raufutter über mindestens 12 Stunden am Tag anzubieten, Fresspausen nicht länger als vier Stunden werden zu lassen und Raufutter vor dem Kraftfutter zu geben. Dazu kommen frisches Wasser, ein Salzleckstein und meist ein Mineralfutter. Kraftfutter ist nur nötig, wenn das Heu den Energiebedarf nicht deckt.
Braucht ein Pferd überhaupt Kraftfutter?
Nein, nicht jedes Pferd braucht Kraftfutter: Bei Erhaltungsbedarf und leichter Arbeit kann ein Pferd laut FN allein von gutem Heu in ausreichender Menge leben. Auch die LfL rät, Kraftfutter nur zu geben, wenn es notwendig ist.
Sinnvoll wird es, wenn der Energiebedarf mit Raufutter allein nicht gedeckt ist. Der Futterhersteller Pavo nennt als Beispiele Sportpferde im intensiven Training, hochtragende Stuten, wachsende Fohlen und untergewichtige Pferde. Auch schwerfuttrige Pferde, die trotz guten Heus zu dünn bleiben, können laut Cavallo Kraftfutter brauchen. Bei übergewichtigen Pferden ist es dagegen meist überflüssig.
Wie viel Kraftfutter darf ein Pferd pro Mahlzeit bekommen?
Als Obergrenze gilt etwa 1 g Stärke und Zucker je kg Körpergewicht und Mahlzeit, für ein Pferd mit 600 kg also rund 600 g Stärke. Diesen Richtwert nennen die FN und die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL).
Die LfL begrenzt Kraftfutter insgesamt auf höchstens 1 kg je 100 kg Körpergewicht am Tag, Hafer auf 0,3 kg und Gerste oder Mais auf 0,2 kg je 100 kg Körpergewicht und Mahlzeit. Verteilen Sie die Tagesmenge auf mindestens zwei bis drei Mahlzeiten und geben Sie vorher Heu. Das sind Höchstwerte, viele Freizeitpferde brauchen deutlich weniger.
Was ist der Unterschied zwischen Müsli und Pellets für Pferde?
Müsli und Pellets sind beides Kraftfutter und unterscheiden sich vor allem in der Form, nicht grundsätzlich im Nährwert. Im Müsli bleiben die Bestandteile wie Getreideflocken, Luzerne oder Kräuter sichtbar, Pellets werden aus zerkleinerten Rohstoffen unter Druck und Hitze gepresst, erklärt der Hersteller Pavo.
Pellets werden schneller gefressen. Die LfL rät deshalb, Pferden, die chronisch schlingen, kein pelletiertes Futter zu geben. Viele Müslis enthalten Melasse, also Zucker. Achten Sie bei stoffwechselempfindlichen Pferden auf den Zucker- und Stärkegehalt in der Deklaration. Stellen Sie jedes neue Kraftfutter schrittweise um, indem Sie es zunächst unter das alte mischen.
Quellen (3)
Wann braucht ein Pferd Mineralfutter?
Die meisten Pferde brauchen Mineralfutter, wenn sie überwiegend Heu fressen und keine gute Weide haben, denn Heu enthält oft zu wenig Spurenelemente wie Kupfer, Zink und Selen. Die FN empfiehlt Mineralfutter ausdrücklich für Pferde ohne ausreichende Weideversorgung.
Wie groß die Lücke ist, hängt vom Boden, vom Schnittzeitpunkt und von der Heupartie ab. Die FN rät, Heu einmal im Jahr auf Kupfer, Zink und Selen untersuchen zu lassen. Bekommt Ihr Pferd bereits ein mineralisiertes Kraftfutter oder Müsli, kann ein zusätzliches Mineralfutter überflüssig sein. Prüfen Sie dafür die Deklaration aller Futtermittel.
Mehr dazu im Ratgeber: Mineralfutter für Pferde: sinnvoll oder überflüssig?
Quellen (2)
Wie viel Mineralfutter braucht ein Pferd pro Tag?
Für ein Reitpferd nennt die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) als Richtwert 10 g Mineralfutter je 100 kg Körpergewicht und Tag, für ein Pferd mit 600 kg also etwa 60 g. Hochtragende und säugende Stuten sowie wachsende Pferde brauchen nach LfL mehr.
Maßgeblich ist immer die Dosierempfehlung auf der Packung, denn Mineralfutter sind sehr unterschiedlich konzentriert. Rechnen Sie mit dem tatsächlichen Gewicht Ihres Pferdes und wiegen Sie die Menge ab, statt nach Augenmaß zu füttern. Enthält die Ration schon mineralisiertes Kraftfutter, verringert sich die nötige Menge. Eine Rationsberechnung schafft hier Klarheit.
Mehr dazu im Ratgeber: Mineralfutter für Pferde: sinnvoll oder überflüssig?
Quellen (1)
Was passiert bei zu viel Mineralfutter beim Pferd?
Zu viel Mineralfutter kann schaden, weil einzelne Spurenelemente in hohen Mengen giftig wirken und andere Mineralstoffe verdrängen. Besonders heikel ist Selen: Die LfL beschreibt es bei Überdosierung als schnell toxisch, mit Leberschäden und im Extremfall dem Ausschuhen der Hufkapsel. Die FN warnt, dass eine Überversorgung mit Spurenelementen sogar tödlich enden kann.
Außerdem hemmen sich Mineralstoffe gegenseitig. Zu viel Calcium kann laut LfL etwa die Aufnahme von Magnesium verringern. Häufigste Ursache ist die doppelte Versorgung über Mineralfutter und mineralisiertes Kraftfutter. Bei Verdacht auf eine Fehlversorgung sprechen Sie mit Ihrer Tierärztin oder Ihrem Tierarzt.
Mehr dazu im Ratgeber: Mineralfutter für Pferde: sinnvoll oder überflüssig?
Quellen (2)
Was ist Mineralfutter und was ist darin enthalten?
Mineralfutter ist nach EU-Futtermittelrecht ein Ergänzungsfuttermittel mit mindestens 40 % Rohasche, es liefert also vor allem Mineralstoffe und ergänzt das Grundfutter. Allein reicht es nicht als Futter.
Typische Bestandteile sind Mengenelemente wie Calcium, Phosphor, Magnesium und Natrium, Spurenelemente wie Kupfer, Zink, Selen, Mangan und Jod sowie Vitamine, vor allem A, D und E. Die LfL nennt für Reitpferde Orientierungswerte je kg Mineralfutter, zum Beispiel 1.500 mg Kupfer, 700 mg Zink und 16 mg Selen bei 10 g je 100 kg Körpergewicht. Welche Gehalte ein Produkt hat, steht in der Deklaration unter Zusatzstoffen und analytischen Bestandteilen.
Mehr dazu im Ratgeber: Mineralfutter für Pferde: sinnvoll oder überflüssig?
Quellen (2)
Was bedeutet organisches Mineralfutter beim Pferd?
Organisches Mineralfutter enthält Spurenelemente, die an organische Verbindungen wie Aminosäuren gebunden sind, sogenannte Chelate. Anorganische Formen sind dagegen einfache Salze wie Oxide, Sulfate oder Carbonate, etwa Zinkoxid.
Organische Verbindungen werden oft als besser verwertbar beworben. Die Tierernährerin Prof. Ingrid Vervuert sagt in der Zeitschrift Cavallo jedoch, dass ihre Wirkung häufig überbewertet wird. Wichtiger als die Bindungsform ist eine bedarfsgerechte Menge. Beim Selen gibt das Futtermittelrecht laut LfL sogar eine eigene Grenze für den organischen Anteil vor. Lassen Sie im Zweifel die Gesamtration berechnen.
Quellen (2)
Ab wann bekommen Fohlen Mineralfutter?
Fohlen bekommen in der Regel ab der 4. bis 6. Lebenswoche Beifutter, zu dem auch ein vitaminisiertes Mineralfutter oder ein mineralisiertes Aufzuchtfutter gehört. So beschreibt es die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL). Der genaue Zeitpunkt richtet sich nach der Milchleistung der Stute und der Entwicklung des Fohlens.
Die Muttermilch deckt den Bedarf nach einigen Wochen nicht mehr vollständig, Kupfer ist in Milch und Gras eher knapp. Bei wachsenden Pferden sollte das Verhältnis von Calcium zu Phosphor laut LfL bei 1,3 zu 1 liegen. Einen Salzleckstein sollten Saugfohlen nicht erreichen können. Stimmen Sie die Aufzuchtfütterung mit Ihrer Tierärztin oder Ihrem Tierarzt ab.
Quellen (2)
Welches Mineralfutter eignet sich für alte Pferde?
Alte Pferde brauchen ein Mineralfutter, das vor allem Zink, Selen und die Vitamine A und E reichlich abdeckt, weil ihr Bedarf daran steigt. Die Tierärztin Dr. Anne Mößeler nennt in der Zeitschrift Cavallo für Senioren etwa doppelt so hohe Empfehlungen wie für jüngere erwachsene Pferde.
Der Futterhersteller Iwest zählt Pferde ab etwa 15 Jahren zu den älteren. Kann ein Pferd Heu nicht mehr gut kauen, braucht es eingeweichte Heucobs als Ersatz, und das Mineralfutter muss zu dieser Ration passen. Lassen Sie Zähne regelmäßig kontrollieren und klären Sie bei Gewichtsverlust oder Erkrankungen wie Cushing die Fütterung mit Ihrer Tierärztin oder Ihrem Tierarzt.
Quellen (3)
Welches Mineralfutter passt bei Hufrehe, Cushing oder EMS?
Bei Hufrehe, Cushing (PPID) oder dem Equinen Metabolischen Syndrom (EMS) eignet sich ein Mineralfutter mit möglichst wenig Zucker und Stärke, also ohne Melasse und Getreide. Ein Mineralfutter kann die Erkrankung nicht heilen, es soll nur die Versorgung mit Mineralstoffen sichern, wenn die Ration stark eingeschränkt ist.
Eine Übersichtsarbeit der Freien Universität Berlin empfiehlt bei EMS kontrollierte Mengen Heu mit weniger als 10 % nicht strukturierten Kohlenhydraten, ergänzt um Mineralfutter. In Cavallo rät eine Fütterungsfachfrau bei übergewichtigen Pferden zu getreide- und melassefreiem Futter. Weil Diagnose und Ration eng zusammenhängen, stimmen Sie die Fütterung mit Ihrer Tierärztin oder Ihrem Tierarzt ab.
Quellen (2)
Was ist Zusatzfutter für Pferde und welche Arten gibt es?
Zusatzfutter heißt rechtlich Ergänzungsfuttermittel: ein Mischfutter mit hohem Gehalt an bestimmten Stoffen, das nur zusammen mit anderem Futter eine vollständige Tagesration ergibt. So definiert es die EU-Verordnung 767/2009.
Dazu zählen Mineralfutter mit mindestens 40 % Rohasche, aber auch Präparate mit Vitaminen, Kräutern, Biotin oder Elektrolyten, die einzelne Lücken der Ration schließen sollen. Die Verordnung verbietet, mit Futtermitteln das Verhindern, Behandeln oder Heilen von Krankheiten zu versprechen. Ein Zusatzfutter ersetzt also keine tierärztliche Behandlung. Sinnvoll ist es, wenn eine Rationsberechnung oder die Tierärztin einen konkreten Bedarf zeigt.
Quellen (2)
Was bewirkt Leinöl beim Pferd?
Leinöl liefert dem Pferd vor allem Energie und Omega-3-Fettsäuren. Kaltgepresstes Leinöl besteht laut dem Hersteller St. Hippolyt zu etwa 50 % aus Omega-3-Fettsäuren, die er als lebenswichtige Fettsäuren beschreibt. Ein Gramm Fett enthält laut LfL ungefähr doppelt so viel Energie wie ein Gramm Stärke.
Deshalb nutzen viele Reiterinnen Öl, um schwerfuttrigen Pferden Energie zu geben, ohne die Stärkemenge zu erhöhen. Die LfL schreibt Leinfuttermitteln eine positive Wirkung auf Haut und Fell zu, Pavo nennt glänzendes Fell, etwa im Fellwechsel. Ein Heilmittel ist Leinöl nicht. Bei Haut- oder Fellproblemen klären Sie die Ursache mit Ihrer Tierärztin oder Ihrem Tierarzt.
Mehr dazu im Ratgeber: Fellwechsel beim Pferd unterstützen: Was wirklich hilft
Quellen (3)
Wie viel Leinöl darf ein Pferd am Tag bekommen?
Üblich sind etwa 5–25 ml Leinöl je 100 kg Körpergewicht am Tag, für ein Pferd mit 600 kg also rund 30 bis 150 ml. Diese Spanne nennt der Hersteller St. Hippolyt. Pavo schreibt, dass für ein 600 kg schweres Pferd schon 40 ml als Energiequelle genügen.
Als dauerhafte Obergrenze nennt Pavo 200–250 ml am Tag, die Zeitschrift Cavallo 160 ml. Die LfL begrenzt das Fett der gesamten Ration auf 0,1 kg je 100 kg Körpergewicht. Laut Pavo kann Leinöl dauerhaft gefüttert werden. Füttern Sie es langsam an, verteilen Sie es auf die Mahlzeiten und verbrauchen Sie eine offene Flasche innerhalb von 6 bis 8 Wochen.
Was ist besser für Pferde, Leinsamen oder Leinöl?
Das hängt vom Ziel ab: Leinöl liefert konzentriert Fett und Omega-3-Fettsäuren, Leinsamen enthält zusätzlich Schleimstoffe, die laut LfL Magen- und Darmschleimhaut mit einem schützenden Film überziehen. Deshalb empfiehlt die LfL Leinsamen eher zeitlich begrenzt als Kur.
Leinsamen enthält Blausäure bildende Stoffe, braune Sorten mehr als helle. Die LfL rät, Leinsamen vor dem Füttern thermisch aufzubereiten, etwa 5 bis 10 Minuten kochen oder getoastete Ware verwenden. Für geschroteten Leinsamen nennt sie 10–15 g je 100 kg Körpergewicht am Tag. Leinöl ist einfacher zu dosieren und muss nicht gekocht werden.
Quellen (3)
Wie viele Leckerli darf ein Pferd am Tag bekommen?
Leckerli sollten eine kleine Belohnung bleiben und keine eigene Mahlzeit sein, denn viele fertige Leckerli enthalten viel Zucker. Davor warnen Trainerinnen in der Zeitschrift Cavallo. Eine feste Stückzahl gibt es nicht, die Menge sollte aber in die Ration und in die Höchstmenge an Stärke und Zucker passen.
Als zuckerarme Alternative eignen sich kleine Portionen Heucobs oder Möhren. Möhren und Obst ohne Steinobst darf ein Pferd laut LfL bis zu 2 kg je 100 kg Körpergewicht am Tag fressen. Füttern Sie Leckerli nur für ruhiges Verhalten, damit Ihr Pferd nicht bettelt oder schnappt. Bei Übergewicht, EMS oder Hufrehe sprechen Sie die Belohnung mit Ihrer Tierärztin oder Ihrem Tierarzt ab.
Quellen (3)
Kann man Pferdeleckerli selber machen und worauf muss man achten?
Ja, Pferdeleckerli lassen sich gut selber backen, zum Beispiel aus Haferflocken, geriebenen Möhren und Äpfeln. Der Vorteil: Sie bestimmen selbst, wie viel Zucker darin ist. Das Pferdemagazin ehorses weist darauf hin, dass gekaufte Leckerli oft viel zugesetzten Zucker enthalten.
Lassen Sie die Leckerli nach dem Backen gut trocknen, damit sie nicht schimmeln, und füttern Sie nur einwandfreie Ware. Steinobst, Avocado, rohe Kartoffeln und Zwiebeln gehören laut ehorses nicht hinein. Honig oder Sirup erhöhen den Zucker, für stoffwechselempfindliche Pferde sollten Sie darauf verzichten. Auch selbst gemachte Leckerli zählen zur Tagesration.
Quellen (3)
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Fragen Sie uns: im Laden in Tangstedt, telefonisch unter 04109 / 252173 oder über das Kontaktformular. Persönliche Beratung finden Sie auch unter Beratung.
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